Das Sommerrätsel 2019

Da ihre Zieleingabe vom Navi erbarmungslos ignoriert wurde, saß Anna entnervt in ihrem soeben übernommenen Leihwagen am Flughafen Amerigo Vespucci. Eine ungeduldigere Person hätte wohl spätestens nach dem fünften Versuch aufgegeben, aber Anna konnte sehr ausdauernd sein.

Trotzdem verzögerte sich der Beginn ihrer Reise ins Urlaubsdomizil. Langsam reifte bei ihr die Einsicht, dass sie es selbst nicht schaffen würde, das Navi erfolgreich zu programmieren. Verzweifelt durchsuchte sie vergeblich das Handschuhfach und die Seitentürablage nach einer Bedienungsanleitung, woraufhin ihre Stimmung endgültig auf den Nullpunkt sank. Sie beschloss, erst einmal Richtung Florenz weiterzufahren. Kaum hatte sie das Flughafengelände verlassen, wurde sie dreist von einem Verkehrsrowdy überholt und fast in den neben der Straße verlaufenden Graben abgedrängt. Das überstrapazierte ihre ohnehin schon angeschlagenen Nerven und sie begann zu weinen. Es dauerte fünfzehn Minuten, bis sie sich gefangen hatte und die letzte Träne ins Tempotaschentuch getropft war. Anna warf einen Blick in den Spiegel und machte den erlittenen Schrecken dafür verantwortlich, dass sie ganz weiß im Gesicht war. Unter diesen Umständen hatte sie null Bock mehr, allzu weit zu fahren.

Zudem bezweifelte sie, dass die weitere Fahrt ohne Unannehmlichkeit ablaufen würde, so schlecht wie ihre Sterne im Moment anscheinend standen. Außerdem wusste sie immer noch nicht, wie weit die Strecke ins gebuchte Hotel war, und nachts fuhr sie sowieso nicht gerne. Sie benötigte also dringend ein Hotel in der Nähe. Nach weiteren zwanzig Fahrtkilometern war sie an keinem Hotel vorbeigekommen, weswegen sie erneut zu weinen begann.

Auf dem Beifahrersitz tastete sie nach dem Tempotaschentuch, das sie benutzt hatte, um ihren ersten Tränenfluss zu stoppen. Plötzlich leuchtete eine Kontrollleuchte im Armaturenbrett auf. Zum Glück waren es nicht die Öl- und Reifendruckwarnleuchten, sondern die Benzinanzeige. Anna fragte sich, ob wohl noch mindestens fünf Liter im Tank sein würden, um wenigstens eine Tankstelle erreichen zu können. In diesem Augenblick nahm ihr Schicksal eine unerwartete Wendung ins Glück: Direkt hinter der nächsten Kurve kam doch tatsächlich eine Tankstelle in Sicht. Nachdem sie getankt hatte, erkundigte sie sich beim Tankwart nach Hotels im Revier. Ein sinnloser Versuch, denn eine unverständliche Antwort folgte, vermutlich auf Italienisch. Anna machte eine Geste des Nichtverstehens, woraufhin der Tankwart lachte und sie auf Englisch fragte, wie er ihr helfen könne. Nachdem sie ihm auf Englisch ihr Problem geschildert hatte, meinte er, dass es in der näheren Umgebung zwar einige Hotels gäbe, er aber empfehlen würde, noch sechsundzwanzig Kilometer weiter in Richtung Westen zu fahren, denn dort wäre eine sehr schöne Pension. Anna beschloss, seiner Empfehlung zu folgen, und dann am nächsten Tag ausgeruht ihr Urlaubsziel anzusteuern.

Welche italienische Stadt ist Annas Urlaubsziel?